Archive for the ‘Kultur’ Category

Diese Japaner…

Juni 14, 2010

In den neuen Wagen des Narita Express ist mir neulich ein Detail aufgefallen, das wiedermal so einiges über die japanische Kultur verrät. Die Gepäckablagen in den Zugwagons wurden mit Zahlenschlössern versehen! Ähnlich wie bei den Manner Postern sehe ich auch an diesem Beispiel im Land, wo nun aber auch rein gar nichts geklaut wird, die Notwendigkeit für eine solche Innovation überhaupt nicht.

Hinzu kommt das „Drumherum“. So etwas kompliziertes will natürlich gut erklärt sein. Deshalb gibt es während der Fahrt häufige Durchsagen mit den Hinweisen,

  • dass der Bereich um die Gepäckablage kurz vor Ankunft am Bahnhof eng und voller Passagiere sein wird, die aussteigen möchten
  • dass man sich deswegen vor der Ankunft am Bahnhof genügend Zeit nehmen soll, um den Koffer schon mal bereit zu machen
  • dass wenn man seine Zahlenkombination vom Zahlenschloss vergessen hat, seinen Koffer an der Endstation abholen kann 🙂

Da die Stops an den Bahnhöfen kurz sind, gibt es wirklich keine Zeit jemanden zu rufen, der das Schloss entschlüsselt.

Ich habe während dieser Durchsagen einmal die anderen Gaijins im Wagon beobachtet. Ich war nicht der Einzige, der bei den Ansagen schmunzeln musste. Man weiss nicht ganz genau warum weil es alles so viel Sinn macht… Wahrscheinlich finden wir Westler das komisch, weil es einfach so viele Informationen sind, die keinen Freiraum mehr lassen… Was denkt Ihr?

Die Schlösser werden ja gar nicht benutzt!

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Im Auenland

Juni 6, 2010

Japan ist vielleicht das letzte Stück „heile Welt“, das es auf diesem Planeten noch gibt. Die Kriminalität ist tief und sogar die Mafiosos sind irgendwie nett. Alles und jeder hat seinen Platz. Jeder Ablauf ist durchdacht und vordefiniert.

Ein gutes Beispiel für dieses Bild ist der Park rund im das Teien Art Museum in Shirokanedai. Der Zutritt zum Garten ist öffentlich, kostet aber für Erwachsene 200 Yen. Es lohnt sich aber. Der Park ist eine regelrechte Oase umringt von befahrenen Strassen und Highways. Der Park bietet schöne Wiesen und einige grössere Skulpturen. Die Atomsphäre im Park ist typisch japanisch. Kinder spielen zivilisiert immer von ihren Eltern beaufsichtigt. Ältere Menschen unterhalten sich auf den Plastikstühlen auf der Wiese. Alle sitzten am Rand der Wiese. Junge Frauen mit Sonnenschirmen schlendern an den Blumen vorbei und machen mit ihren Handykameras einige Fotos. Ein rüstiger Rentner beugt sich vor um mit seiner professionellen Kamera ein besonders gutes Bilder der Blumen zum machen. Im Park ist es ruhig. Frauen in Kimonos huschen vorbei. Junge Damen diskutieren leise…

Es ist ein bisschen wie bei den Hobbits im Auenland! Heile Welt eben!

Beeindruckende Bäume beim Eingang zum Garten.

Das Art Museum.

Parkidylle.

Kinder! Nicht zu schnell rennen!

Frauen in Kimonos bestaunen die Rosen.

Ein Schwätzchen in Ehren...

... kann niemand verwehren.

Fotos mit der Handykamera.

Alle sitzen am Rand.

Kubisch.

Frag mich nicht nach dem Künstler...

Steinmenschen.

Ein Muss in Japan: Der Getränkeautomat.

In Japan nimmt man alle Hobbies seht ernst!

Schirmklau unmöglich

Februar 23, 2010

Vandalismus scheint in Tokyo kein nennenswertes Problem zu sein. Wie sonst könnten so viele Getränkeautomaten unbeschädigt in der Gegend rumstehen? Auch Diebstahl ist kein Problem. Die Damen lassen ihre Handtaschen immer unbeaufsichtigt auf ihrem Stuhl um den Platz zu reservieren, während sie sich an der Bar einen Kaffee holen. Umso erstaunlicher ist es, dass trotzdem alles immer schön ordnungsgemäss abgeschlossen und reglementiert wird. In der Bahn wird auch immer auf die Station genau abgerechnet, während es bei uns Zonen gibt und Kontrollen im Stadtverkehr nicht stichprobenmässig durchgeführt werden.

Auch der Schirmklau ist unmöglich. Es gibt überall diese verrigelbaren Schirmständer. Man schliesst seinen Schirm ab und nimmt meistens einen kleinen Schlüssel mit einer Nummer darauf mit. Wenn man bei uns beispielsweise in Restaurants, ein solches System installieren würde, dann wären mit Sicherheit schon nach kurzer Zeit alle kleinen Schlüsselchen weg. Die Schlüssel verschwinden aber auch unabsichtlich. Neulich sagte Isa: „oh nein, ich hab meinen Schirm im Restaurant vergessen“… aber im Portemonnaie war dann der kleine Schlüssel… und dort ist er noch immer.

Dieses Schirmabschlusssystem ist sehr intelligent! Anstatt mit Schlüssel, operiert man hier mit einer zweistelligen Zahlenkombi. Also: bitte den Geheimcode nicht vergessen.

Take a Bow

Januar 28, 2010

In Japan verbeugt man sich gerne und meidet den öffentlichen Körperkontakt. In Zeiten der Schweinegrippe ist das ganz gut. Sogar die kleinen Comic Männchen, die auf irgendwelche Unannehmlichkeiten hinweisen verbeugen sich! Na dann mal sumimasen!

Korrekte Verbeugung!

Als Icon.

Salaryman Kalender

Januar 25, 2010

Bei uns im Büro schwirrten neulich Tischkalender rum, die wir als Kundengeschenke haben drucken lassen. Ich hab mir gleich einen geschnappt… beim Durchblättern habe ich dann ganz hinten eine Seite mit kleinen Stickern entdeckt, die man in den Kalender reinkleben kann.

Diese kleinen Sticker für Kalender sind in Japan nicht unüblich. Besonders bei jungen Damen, die damit ihre Diaries verschönern und der Agenda so den nötigen „Kawaii-Faktor“ geben. Aber bei diesem „Business Kalender“ habe ich diese Sticker echt nicht erwartet.

Die Sticker sind aber höchst interessant und geben Einblicke in die japanische Alltagskultur. Es scheint als ob die Sticker besonders für den stereotypen Salaryman gedacht sind.

Hier die volle Seite mit den Stickern.

Gehen wir doch einmal ein paar Beispiele durch!

Erstes Drittel.

PAY-DAY: Payday ist für den Salaryman offensichtlich einen Sticker wert. Dieser Tag ist ja auch in unserer Kultur wichtig…

BEER 飲み会 (nomikai = Trinkparty): Die Besäufnisse mit den Arbeitskollegen wollen auch sauber eingetragen werden. Oft sind diese Events ja auch mehr Pflicht als Vergnügen.

旅行 (ryokou = Reise): Bei uns wahrscheinlich eher mit Ferien gleichzusetzen, aber dazu gibt es weiter unten einen separaten Sticker.

デート (deeto = Date): Klar! Viele Salarymen und Career Women (キャリアウーマン, kyaria ūman) sind auf der Suche!

ごみの日 (gomi no hi = Abfalltag): Mein persönlicher Favorit :-). Der Abfalltag will natürlich auch pflichtbewusst eingetragen werden!

Zweites Drittel.

LESSON: Ja stimmt, wie schon erwähnt haben hier alle irgendein Self-Improvement Hobby. Ikebana, Color-Coordination, Teezeremonie oder ganz einfach Golf. Aber man lernt nie aus!

CHECK: ok!

カット (katto = cut = Haarschnitt): Als guter Salaryman will man immer gut getrimmt ins Büro kommen.

休み (yasumi = frei): Auch Salarymen haben manchmal frei.

HAPPY BIRTH DAY: nicht vergessen!

Drittes Drittel.

買物 (kaimono = Einkauf): Ein Sticker für den regelmässigen Grosseinkauf.

DINNER: ok.

PARTY: ok.

しめきり (shimekiri = Deadline): Dieses Couvert hat es aber eilig!

Würdevoller Untergang

Januar 2, 2010

Mit der neuen Regierung und neuen Hoffnungen für Japans Zukunft, diskutieren wir hier privat und im Büro immer wieder die Zukunft Japans. Dabei gibt es zwei Perspektiven der Beobachtung.

Die eine ist die Perspektive der Experten. Folgt man dieser Perspektive wird klar, dass sich Japan im Abwärtstrend befindet. Die Faktoren sind bekannt und viel genannt: rapide Überalterung der Gesellschaft, seit Jahren stagnierende Wirtschaft, fehlende Zuwanderung, etc.. Um die öffentlichen Finanzen steht es auch nicht gerade gut. Das muss man sich auf der Zunge vergehen lassen: Die Schulden des japanischen Staates sind so gross wie die Bruttosozialprodukte von Grossbritanien, Frankreich und Deutschland zusammen! Unglaublich oder? Japan zahlt jedes Jahr Zinsen in der Höhe des Bruttosozialproduktes von Malaysia. Ich bin kein Experte, aber das hört sich doch relativ extrem an.

Die zweite Perspektive ist die des normalen alltäglichen Beobachters. Viele Themen konnte man bereits auf unserem Blog nachlesen. Hier noch mal einige Beispiele:

Kleine Hunde: Die kleinen Hunde verkörpern für mich das Problem der Überalterung und des fehlenden Nachwuchs. Viele junge Frauen finden nicht den Mann den sie suchen und verdienen. Viele bleiben kinderlos. Viele kaufen sich ein kleines Hündchen als Substitut. Kleine Hunde sind den Babies ganz ähnlich: man kann sie süss anziehen, man kann sie baden, man kann sie in der Nachbarschaft zeigen etc.. Mit meinen heiratswilligen Arbeitskolleginnen habe ich oft Gespräche zum Thema Hunde. Ich rate immer dringend vom Hundekauf ab.

Ausländermangel: Gerade kürzlich sass ich wieder in der vollen Yamanote Line und der Sitz neben mir blieb leer. Die subtile Ausländerphobie ist sicher nicht absichtlich oder böse gemeint. Aber sie sitzt tief, sehr tief. Ich rate meinen englischsprechenden Kollegen immer, ins Ausland zu gehen um Japan in die weite Welt zu tragen und es bei einer Rückkehr entsprechend zu bereichern. Milde ausgedrückt ist das Interesse nicht sehr gross. Ich bekomme Antworten wie „I don’t like the food. They don’t have good Japanese food abroad“ „It is so loud“ oder „I don’t speak the language well enough“.

Uninteressierte Jugend: Bei den Erwachsenen gibt es also definitiv ein fehlendes Interesse nicht nur am Ausland, sondern wahrscheinlich auch an der generellen positiven Gestaltung der Zukunft Japans. Bei der Jugend ist es wahrscheinlich noch extremer. Junge Männer drohen vor der Spielkonsole zu verblöden und junge Frauen tun dasselbe in Louis Vuitton und Prada Flagship Stores.

Man kann sich über die Lage Japans aufregen und sagen „da muss doch was gemacht werden, das kann doch nicht so weitergehen, Japan ist viel zu wertvoll“. Als grosser Japanfan stimme ich natürlich zu. Aber vielleicht muss man seine Sichtweise ändern. In unserer westlichen Kultur sind wir ja fast schon zum Fortschritt verdammt. Wir fürchten nichts mehr als den Tod, die Armut, das Unglück. Wir streben das Paradies an, den Reichtum, die Anerkennung. Japan scheint da kulturell sehr anders zu sein. Vielleicht zählen hier Werte wie ein würdevolles Leben mehr. Auch der würdevolle Tod scheint ja hier zumindest historisch gesehen akzeptabel zu sein.

Es gibt also keinen Grund traurig zu sein. Japan befindet sich in einer Art würdevollem sehr langsamen Untergang.

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Strasse in Hiroo.

Schuhe aus!

Dezember 28, 2009

Gleich beim Meguro Bahnhof entsteht bald ein neuer Baskin Robins Ice Cream Shop. Da ich jeden Tag an dieser kleinen Baustelle vorbeilaufe konnte ich neulich die Bilder unten machen. Sogar auf der Baustelle gilt: Schuhe aus! Das man innen die Schuhe auszieht gehoert in Japan wirklich dazu! Macht auch irgendwie Sinn. Wir werden diese Praxis auf jeden Fall auch bei uns zu Hause beibehalten.

Bald ist der neue Baskin Robins in Meguro fertig - mitten im Winter.

Und auch hier haben die Handwerker brav die Schuhe ausgezogen.

Non-Verbale Kommunikation

Dezember 20, 2009

Vor einiger Zeit habe ich einem Arbeitskollegen, der zurück nach Hong Kong ging zum Abschied ein kleines Buch über japanische Gesten geschenkt. Als Inselstaat hat Japan ja bekanntlich viele Eigenheiten und da wundert es mich nicht, dass auch die non-verbale Kommunikation etwas anders ist.

Aber die kommunikativen Gesten sind nicht nur anders, sondern auch viel umfangreicher. Im Prinzip braucht man gar nicht zu reden, man kann vieles mit einfachen Handzeichen erledigen. Für mich wieder ein Beweis, dass Japan auf einer höheren Stufe der zivilisatorischen Entwicklung steht. Auch die Sprache ist sehr kurz angebunden. Oft reichen eindeutige Laute (keine Worte) um das zu sagen, was man sagen will. Zu den Lauten gibts dann mal einen separaten Eintrag. Zurück zu den Gesten.

Ihr wollt Beispiele? Ich hab mir mal die Mühe gemacht und für Euch ein paar dieser Handzeichen in Videoform dargestellt. Bitte entschuldigt die zu klein geratene Maske 🙂

Beim ersten Video handelt es sich um eine im Alltag sehr wertvolle Sequenz.

Kommst Du auf ein Bier mit? (wichtig ist, dass ein kleines Glas angedeutet wird)
Tut mir leid, ich kann nicht (mit der flachen Hand vor dem Gesicht rumwedeln)
Meine Frau/ Freundin (der kleine Finger ist die Frau, der Daumen ist der Mann)
Wird sonst böse! (die Hörner wie beim Teufel)

Beim zweiten Video sieht man noch ein paar andere hilfreiche Begriffe.

Yakuza (die Narbe im Gesicht)
Schwul (als ob man das dem Gegenüber flüstert)
Das kostet (zu viel) Geld (bloss nicht andersrum machen)

Jetzt könnt Ihr gleich mal üben, wie man non-verbal auf Japanisch sagt: „Nein, ich kann leider heute nicht, es ist zu teuer!“

Und jetzt kommt noch die Mutter aller non-verbalen Kommunikationssequenzen in Japan. Wer erratet um was es hier geht?

Ohne Witz, das kennt in Japan jedes Kind.
Einmal in die Hände klatschen heisst „PAN“ (wie der Laut der dabei entsteht)
Mit der Hand die Zahl zwei signalisieren heisst „TSU“
Mit der Hand einen Kreis formen heisst „MARU“
Mit der flachen Hand an die Stirn heisst „MIERU“
PAN TSU = Pants = Unterhosen
MARU = Kreis
MIERU = kann man sehen
Pantsu maru mieru = man kann Deine Unterhosen sehen.
Macht den Test, fragt Eure japanischen Bekannten… das kennt Jeder! Viel Spass!

Überstunden in Tokyo

Oktober 23, 2009

Ich werde immer wieder gefragt, wie es denn in Tokyo so mit den Arbeitszeiten ist… Nun, da ich für eine Schweizer Firma arbeite kann ich das nicht so generell beantworten, aber ich denke das Klischee stimmt schon. In Japan wird länger gearbeitet als bei uns. Das heisst länger… Nicht unbedingt mehr (und effizienter).

Trotzdem: Zu Zeiten der japanischen Wirtschaftsblase in den 80er Jahren gab es gar Todesfälle durch Überarbeitung! Mein Eindruck ist, dass die Arbeitsstunden hier viel mit einer Art „Gruppenzwang“ zu tun haben. Ich höre Dinge wie: „ich kann nicht vor dem Chef nach Hause gehen“ oder “ wenn ich früher gehe sieht es so aus als ob ich nicht busy bin“ und „wenn ich früher nach Hause gehe denkt meine Frau, dass bei der Arbeit etwas nicht stimmt“. Ein Arbeitskollge hat mir neulich erzählt, dass er jeden Abend nach Mitternacht nach Hause kommt. Ein Anderer hat erzählt, dass er zum Teil am Freitag Abend gar nicht schläft, sondern am Samstag extrem früh zum golfen geht…

Mein Fazit: Überstunden sind hier ein durch und durch gesellschaftliches Phänomen und rein isoliert betrachtet nicht besonders effizient! Ich mag meinen Job, aber ich habe 1000 Ideen, was ich sonst noch so mit meiner Zeit anfangen könnte 🙂

Überstunden..

Überstunden..

My My My

Oktober 20, 2009

Japan spielt ja zumindest im alltäglichen Umweltschutz nicht gerade eine führende Rolle. Alles wird hier zig-mal verpackt. Um das Gewissen ein bisschen zu beruhigen gibt es das „My“ Prinzip. Zum Beispiel „My Cup“ oder „My Bag“. Das heisst ich bringe morgens bei Starbucks meinen eigenen Tumbler mit (my cup eben).  Oder an der Kasse im Supermarkt gebe ich zu verstehen, dass ich keine Tüte brauche, sondern selber eine dabei habe (my bag).

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Bring Your Own Cup Promotion bei Starbucks.

Besonders bei den „My Bags“ gibt es noch ein spezielles kulturelles Detail: Da es im Supermarkt selbstverständlich zum Service dazugehört, dass man immer eine gratis Tüte zu jedem Einkauf dazubekommt, fällt es den Angestellten schwer unhöflich zu sein und zu fragen, ob man eine Tüte braucht oder nicht. Man will sowieso die Kommunikation auf ein Minumum reduzieren. Kassenkonversationen wie: „Na Frau Soundso, was macht die Gicht“ gibt es hier nicht. Die Angestellten wären hier am liebsten kleine Roboter und verhalten sich zum Teil auch so. Anyway, da man auch dem Kunden keine mühevolle Kommunikation zumuten will, kann man sich an der Kasse eine Karte in den Einkaufskorb legen um non-verbal zu signalisieren, dass man keine Tüte wünscht. (!!!) Man könnte es ja einfach sagen, aber eben…

Da fällt mir gerade noch eine Story ein: Vor einiger Zeit wurde ich bei uns im lokalen Supermarkt von einer Angestellten in gebrochenem Englisch angesprochen. Sie bat mich unter 4 verschiedenen englischen Sätzen, den am grammatikalisch richtigsten Satz auszuwählen. Es ging um das eben beschriebene und unten abgebildete Thema. Auf den „No-Plastic Bag“ Karten im Tokyu Store steht jetzt also mein orginal ausgesucht, hoffentlich grammatikalisch richtiger Satz auf Englisch! Da soll nochmal einer sagen, dass man hier in Japan als Ausländer nichts bewegen kann.

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Und: how did I do?

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My Bag eben!

J-Pop

Oktober 1, 2009

Der lokale Markt für japanische Popmusik (J-Pop) ist riesig! Es gibt eine nicht zu überblickende Anzahl Bands und Styles. Früher kam mir beim Stichwort japanische Musik immer entweden Koto oder igendwelcher abgefahrene Punk in den Sinn. Heute weiss ich zumindest, dass die japanische Musikszene eine der hochentwickeltsten der Welt ist. Als ich 1998 einmal für 6 Monate in Japan war, hab ich auf dem grossen Screen bei Roppongi Crossing immer dieses Video gesehen:

Und ich dachte: erstens, das Lied ist genial und zweitens, die CD muss ich haben! Mit ein bisschen Recherche hab ich dann rausgefunden, dass die Band „The Brilliant Green“ und der Song „Tsumetai Hana“ (kalte Blume) heisst.

Vor ein paar Monaten hab ich mich bei iTunes wiedermal schlau gemacht, was gerade so aktuell ist in Japan. Wer mich kennt weiss, dass ich A) ein grosser Fan der Popmusik bin und B) mir Songtexte gut merken kann.  So komme ich vielleicht mit meinem Japanisch ein bisschen weiter…. Naja, unten zwei meiner Favoriten (i.e. in meiner Top Songs Playliste).

„Arigatou“ von Ohashi Takuya ist eine Hyperschnulze! Ich glaube die Japaner stehen auf Herzschmerz. Durch das Video merkt man sehr schnell, um was es in dem Song geht. Ich sag nur: kokoro kara arigatou (von Herzen Danke!).

„Together“ von Monkey Majik ist auch ganz cool. Die Gruppe besteht aus zwei kanadischen Gaijins und zwei Japanern. Sie mischen japanische mit englischen Texten. Anyways: ENJOY!

かわいい (kawaii)

September 29, 2009

In Japan muss ja bekanntlich alles „kawaii“ (=süss, herzig) sein. Kawaii ist ein durchaus ernst zu nehmendes kulturelles Phänomen hier in Japan. Glaubt mir, „Hello Kitty“ ist nur die Spitze des Eisbergs. Meine Arbeitskolleginnen haben ihre Yahoo! Seite so konfiguriert, dass sie möglichst Pink aussieht… Neulich hat mir eine Arbeitskollegin eine DVD ausgeliehen. Die DVD lag wie unten angebildet auf meinem Schreibtisch. Fällt Euch etwas auf? Oben rechts ein Post-It mit der Aufschrift „Eri yori“ (=von Eri). Aber es ist natürlich nicht irgendein Post-It, sondern ein kleines süsses Entlein… Ich empfehle Loft in Shibuya für kawaii Allerlei!

Naja, ein ChickFlick eben...

Übrigens, ich fand den Film recht langweilig... ich bin definitiv langsam zu alt für sowas...

Kawaii

kawaii!!!

目黒のさんま祭り(Sanma Matsuri)

September 6, 2009

Heute in Meguro war das sogenannte Sanma Matsuri angesagt. Ein Schreinfest mit einer Fischspezialität als Hauptattraktion. Sanma nennt man hier den Makrelenhecht und wie immer beim japanischen Matsuri gibt es allerlei zu essen und viele viele Menschen. Hier einige Eindrücke.

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Das offizielle Poster des Matsuri. Meguro no Sanma Matsuri. (Vergrösserung durch Klick)

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Schon von Weitem waren die Rauchschwaden der gebratenen Fische zu sehen. (Vergrösserung durch Klick)

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Auch die Tombola ist sehr beliebt. Man kann aber kein Auto gewinnen. Dafür darf man bei brütender Hitze in der Schlange stehen. (Vergrösserung durch Klick)

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Diese Gruppe gehörte zum offiziellen Teil. (Vergrösserung durch Klick)

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Praktisch so eine Trommel. Mit was der wohl trommelt 🙂 (Vergrösserung durch Klick)

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Viele viele Leute. (Vergrösserung durch Klick)

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Shaved Ice! (Vergrösserung durch Klick)

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Yaki Sakana! (Vergrösserung durch Klick)

ケンタ祭 (Kenta Matsuri)

August 13, 2009

Sommerzeit ist in Japan Matsuri (Festival) Zeit. Jeder noch so kleine Shinto Schrein hat hier im Sommer ein Matsuri mit Essensständen, Spiele (z.B. Goldfische fischen) für die Kids und Zermonien oder Tanzperformances. Wie man unten sieht, wird das Thema Matsuri vielfach und gerne aufgegriffen. So auch von Kentucky Fried Chicken (KFC), einer sehr beliebten Fast Food Kette hier in Japan. Colonel Sanders trägt ein typisches Matsuri Jäckchen.

Auf der Jacke steht auch „ケンタ祭“ (=Kenta Matsuri). Kenta ist die japanische Abkürzung für Kentucky Fried Chicken. In Japan liebt man Abkürzungen, besonders von Katakana (also ausländischen) Wörtern. Makku heisst beispielsweise McDonalds (von makku donarudo).

Der Colonel in Japan.

Der Colonel in Japan.

のりピー (Noripii)

August 11, 2009

Ich schreibe ja sehr selten über das japanische Tagesgeschehen… ein Grund sind meine nicht ausreichenden Sprachkenntnisse. Ok, ich könnte die Japan Times lesen, aber das ist eben auch nicht das Gleiche.

Im Moment laeuft gerade wieder einmal ein Celebrity Skandal. Das berühmte Idol Noriko Sakai wurde wegen Drogenbesitz verhaftet. Ein riesen Ding. Sie hat ihren Zenith bereits überschritten, aber sie ist immer noch sehr bekannt. Besonders auch in Hong Kong, Taiwan und auch auf Mainland China.

Als Pop-Ikone entwickelte sie vor einigen Jahren eine Art neue Sprache, in der die lange Silbe „pii“ enorm viel vorkommt. Ihr Name ist Noriko, aber sie wird überall Noripii genannt. Sie erfand neue Wörter, die eine Zeit lang sehr populär waren. Zum Beispiel sagte sie anstatt „Itadakimasu“ (=“guten Appetit“, oder woertlich „ich bekomme“) „Itadaki Mammoth“. Das Mammoth sollte Groesse signalisieren. Mammoth benutzte sie auch um auszudrücken, wie glücklich sie ist. „Mammoth Urepii“ heisst in ihrer Sprache „sehr happy“. „Urepii“ kommt von Ureshii (= happy). Ein anderes Beispiel ist „Gochiso Samantha“ anstatt „Gochisosama“ (= Ausdruck der nach dem Essen vom Essenden benutzt wird).

Was…? Ihr findet das strange? That’s Japan!!!

Nun ja. Die Story endet jetzt tragisch. Bevor sich Noripii am letzten Freitag Abend der Polizei gestellt hat, hatte sie sich noch versteckt. Sie hatte ein solch reines und perfektes Image. In Wirklichkeit stammt sie aber aus einer Gangster Familie (Yakuza)…

Noripii

Noripii

Vandalismus?

Juni 25, 2009

In Japan definitiv ein Fremdwort! Manchem Japan Besucher fallen hier in Japan die vielen Getränkeautomaten auf. Es gibt sie wirklich an jeder Ecke! Was mich aber noch mehr fasziniert ist, dass alle unversehrt sind. Ich habe noch nie einen durch Vandalismus oder Einbruch beschädigten Automaten gesehen.  Man sieht hier auch nie Grafiti und sonstige Beschädigungen. Offenbar hat man in Japan den Respekt vor fremdem Eigentum besser gelernt als bei uns.

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Ein gängiges Bild in Tokyo: Getränkeautomaten.

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Zum Vergleich: Ein Slecta Automat in der Schweiz. Fest im Boden verankert, massiv, sicheres Schutzglas. Wann kommen wohl die nächsten Vandalen, um zu versuchen, den Automaten aus der Verankerung zu reissen?

ALWAYS 三丁目の夕日 (san-chome no yuhi)

Mai 9, 2009

Vor ein paar Tagen haben wir mal eine japanische DVD ausgeliehen. Always San Chome No Yuhi (Abendsonne im dritten Quartierblock). Wir haben den Trailer zu diesem Film schon letztes Jahr im Kino gesehen und ich dachte immer, schade, dass es keine englischen Untertitel gibt. Dann hab ich aber doch gemerkt, dass es gerade zu diesem Film tatsächlich englische (英) Untertitel gibt. Der Film war ganz süss. So eine Schnulze halt, aber wir habens genossen. Der Film spielt im Nachkriegsjapan. Die Geschichte dreht sich um eine Gruppe von Menschen, die im gleichen Quartier in Tokyo wohnen. Der Tokyo Tower war zu dieser Zeit gerade im Bau. In Tokyo kann man die Atmosphäre  dieser Zeit immer noch an vielen Orten spühren. Die kleinen Strassen, die Ruhe, die kleinen Tante Emma Läden, die kleinen Werkstätten, etc.. Hier noch ein Wallpaper als kleiner Service.

Ein Klick auf das Bild und Du hast das Wallpaper.

Ein Klick auf das Bild und Du hast das Wallpaper.

Und hier noch der Trailer.

Handbook of Learning Life in Japan

April 29, 2009

Bei meinem Besuch neulich im Ward-Office, ist mir dieses Büchlein in die Hände gekommen: Handbook of Learning Japanese and Life in Japan. Ein gefundenes Fressen für mich. Ich hatte erst zu Hause Zeit darin zu lesen, aber ich wurde nicht enttäuscht. Ich denke es zeigt wiedereinmal das etwas verkrampfte, aber durchaus süsse und sympathische Verhältnis von Japan zum Ausland. Einfach abgefahren, was man in diesem Büchlein alles so findet! Meine Auszüge daraus sollen nicht wertend sein. Wie immer finde ich, dass wir uns in Europa einiges davon abschneiden können.(ich gehöre ja eigentlich zu den localized Ausländern, die sich durch andere Ausländer gestört fühlen :-)). Aber die Beispiele zeigen einfach wieder einmal wie enorm anders Japan ist und wie unmöglich es wäre so ewtas in der Schweiz oder in Deutschland zu publizieren.

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Mit verheissungsvollem Manga Teil!

Neben den vielen nützlichen Tips und Tricks über das Leben in Japan, gefielen mir besonders die kleinen Exkurse, in denen auf kulturelle Unterschiede hingewiesen werden soll. Im Folgenden ein paar der besten Zitate und die lustigsten Illustrationen aus dem Buch.

Das erste Beispiel beschreibt eine Szene unter befreundeten Müttern:

Mamatomo (befreundete Mütter): The other day, one of their children did a poop in its diaper. The mother immediately apologized to the host. Ms. B (from South Korea) said she was surprised by the apology because it is natural for a child to go in a diaper. Whether or not you should apologize for a given action depends greatly on the country or region. The level of apology may differ in the same situation from country to country as well. Please pay careful attention to Japanese rules for apologies.“

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In Japan sollte man sich dafür entschuldigen!

Das nächste Beispiel ist auch krass! Eine bewusste Unterstreichung des Stereotyps:

„Nein“ Sagen: In Japan, you are sometimes asked to go for a drink after work with your boss or coworkers. Very often the subjects talked about over drinks are about work. Because it is after work hours, you might think you should be able to say no if you wanted to but… (…) Although „nominikeeshion“(Anm. von mir: nomi = trinken, keeshon = cation (von Communication) = Kommunikation durch Trinken) (socializing over drinks) has been decreasing in recent years, accepting an invitation for a drink may be viewed as a type of „insurance policy“ for your work.

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Will man seinen Job behalten, muss man am Abend besser mit dem Chef trinken gehen (sieht ganz so aus als ob dieser Chef etwas Wichtiges zu besprechen hat).

Das nächste Beispiel ist auch wieder sehr komisch. Im Text zum nächsten Bild geht es geht um eine Frau aus Korea, die nach der Entbindung erwartet hat, dass sie wie in Korea für eine Weile nur Suppe isst (to promote sweating and improve circulation). In Japan isst man aber nach der Entbindung normales Essen, das die Koreanerin als zu schwer empfindet. Der Text gibt den folgenden Ratschlag:

The key is balance: (…) What you need to do is to strike a balance. Ms. C (die Koreanerin) said that after she left the hospital, she had nothing but soup for a while at home.

Also: wenn du im Krankenhaus nicht das bekommst was du erwartest, dann akzeptiere, dass es anders ist und befolge deine Regeln wieder, wenn du zu Hause bist. Komisches Beispiel oder?

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Suppe oder Washoku?

Das nächste Kapitel erklärt die bekannte Wichtigkeit von körperlichem Abstand in Japan. Am Schluss des Textes dann aber doch noch ein Zugeständnis:

Greetings and distance: (…) Still it is a universal fact that the physical distance between people in love almost disappears.

Süss oder?

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Ich glaube ich versuche mal die rechte Variante und schau mal was passiert 🙂

Im nächsten Kapitel geht es um Self-Introduction. Die Key Message: spiel dich in Japan nicht zu sehr auf!

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Take a bow.

Der nächste ist auch gut:

Meaning of an apology:  (…) In type A culture, apologizing means to accept one’s fault and be prepared to compensate other party. In type B culture , people consider the first step of apologizing is to acknowledge that you offended the other party. Taking responsibility is another matter. Japan is type B culture.

Da soll mal einer durchblicken… Ich sag jedenfalls in jedem Satz mindestens einmal „sumimasen“ (= Entschuldigung).

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Sumimasen.

Klar, in verschiedenen Kulturen, gibt es auch unterschiedliche Auffassungen darüber, was laut ist. Das Geräusch eines zu lauten Kopfhörers und das laute Schlürfen im Soba Restaurant.

The way we feel about sounds: (…) Please note what kind of sounds offend Japanese people, and what kinds of sounds don’t. You may be able to see something that cannot be explained merely by the loudness of sound“

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Lautes Schlürfen ist ok!

Am Schluss des Hefts gibts dann wie gesagt noch ein paar Seiten Manga. Die Story handelt von einer Ausländerin, die nach Japan kommt, um die Manga Kunst zu erlernen…

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Das ist mein Daumen.

Achtung Herzschrittmacher!

April 25, 2009

Wiedereinmal etwas aus der Rubrik „Manner Poster“. Langsam könnte man einen ganzen Blog mit diesen Postern füllen. Mich faszinieren diese Ordnungshinweise deswegen besonders, weil Japan nun wirklich das Land ist, in dem es diese Hinweise sicher nicht braucht. Im Poster unten wird wieder auf Handy-Diskretion im Zug hingewiesen. In der Nähe der Priority Seats gilt: Handy ganz ausschalten. Ich hab mich ehrlich gesagt immer gewundert, warum es nicht reicht das Handy einfach auf lautlos zu schalten. Jetzt ist es mir klar. Im Poster unten gibt es zwei „Denkblasen“. Ich glaube die ältere Dame kommentiert in Gedanken die Manieren des jungen Herrn in der Mitte (in der Blase steht was mit manaa = Manner = Mannieren). Die jüngere Dame macht sich aber über etwas anderes Gedanken. In ihrer Denkblase steht etwas mit „peesumeekaa“ = Pacemaker = Herzschrittmacher. Aha! Die Strahlung vom Handy kann den Herzschrittmacher beeinflussen!

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Peesumeekaa.

„War of the Worlds“ in Yokohama

April 20, 2009

Leider hab ich sie dieses Wochenende verpasst. Aber der Augenzeuge Dominik hats berichtet: es gibt sie wirklich! Die Monsterspinnen in Yokohama! Noch bis nächsten Dienstag stolzieren diese Spinnen als mechanisches Kunstprojekt (La Machine) durch Yokohama. Das und vieles mehr gibt es als Teil der Festivitäten zum 150 Jahresjubiläum des Hafens von Yokohama noch bis im September zu sehen! Ein Ausflug nach Yokohama lohnt sich also auf jeden Fall.

Kampf der Spinnen

Kampf der Spinnen

Und hier noch in Action: