Firmenkaraoke – alle Klischees stimmen!

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Letzte Woche war ich gleich an zwei Karaokeparties hintereinander. Etwas das eher selten bis gar nie vorkommt. Obwohl ich ein für Europäer eher untypischer Karaoke-Fan bin, komme ich leider selten dazu. Nunja so ganz voller Vorfreude für die Parties letzte Woche war ich jetzt nicht, aber es stellte sich nicht nur als Riesenspass, sondern auch wieder als ein Fass ohne Boden für meine kulturellen Beobachtungen (die ich hier zum Besten geben möchte) heraus!

Bei der ersten Party handelte es sich um ein kleines internes Fest, mit dem wir ein erfolgreiches Projekt feiern wollten. Die Location war in Ginza und der Hammer! Ich kam mir vor wie in so einem Hip Hop Video (fehlten nur die leichtbekleideten dunkelhäutigen Girls). Die Atmosphäre war eher ungezwungen. Das Highlight war definitiv der japanische Kollege, der „Labamba“ fehlerfrei und mit vollem Einsatz  zum Besten gab!

Ich durfte meine Standardsongs singen (Fly me to the moon – Frank Sinatra, Copa Cabana – Barry Manilow, und ein japanisches Lied)… aber mit den englischen Songs und den Ausländern beim Karaoke in den japanischen Runden ist das so eine Sache.

Beim Karaoke muss man gewisse soziale Regeln beachten. Da hier jeder Singen will, darf man sich nicht zu sehr in den Vordergrund drängen. Die Songauswahl ist auch sehr wichtig. Es gilt wie immer in Japan: keine Experimente und keine allzugrossen Überraschungen. Meine Songs kamen nicht so gut an… Wenn man englische Songs singt, sollte man Songs wählen, die jeder kennt und bei denen die japanischen Kollegen mitsingen können. Aber eben, richtig gut kommen sowieso nur die japanischen Songs die alle kennen und die bei den Leuten Erinnerungen weckt. Das ist ungefähr so, wie wenn wir eine Party machen und deutsche Schlager singen.

Aber zurück zu den Karaoke Abenden. Am zweiten Karaoke Abend wurde ich zu einer Party mit Kunden eingeladen. Wir waren schon früh da und die Kunden zu spät… Die Location war ähnlich wie am Vortag, aber in Nishi-Azabu und noch etwas exklusiver. Wir sind drei Damen und 6 Männer. Den Ablauf muss man sich ungefähr so vorstellen:

  • Im Taxi zum Karaoke Club erfahre ich, dass die gleiche Runde schon einmal zum Karaoke zusammenkam und dass sich eine Kollegin, die mit mir im Taxi ist an weite Strecken des Abends nicht mehr erinnern kann
  • Warten auf die Kunden (wir können keine Flasche aufmachen, da wir nicht vor den Kunden anfangen wollen)
  • Der Kunde (Shacho = Mr. President) kommt mit seinem CFO
  • Es folgt eine regelrechte Prozession zur gegenseitigen Vorstellung mit Visitenkarten und Verbeugungen
  • Endlich der erste Schluck
  • Die ranghöchste Person auf unserer Seite führt vor allen ein Exklusivgespräch mit dem Kunden
  • Alle hören aufmerksam zu, nippen an ihrem Glas und lachen bei den Wizten des Shacho, geben Laute des Erstaunens von sich, wenn der Kunde was interessantes erzählt (heeeee?!)
  • Ich verstehe Bahnhof
  • Der Kunde zeigt Fotos auf seinem Handy, das Handy mit den Fotos macht mehrmals die Runde (weitere Laute des Erstaunens: heeeee?!)
  • Es wird fleissig Prosecco nachgeschenkt (man hat an diesem Abend noch Ziele :-))
  • Das Essen kommt
  • Unsere Rangniedrigsten beginnen einen Teller für den Kunden mit den verschiedenen Speisen vorzubereiten (Fischcarpaccio, Seafood Salad, etc.)
  • Dann werden uns die Teller vorbereitet
  • Keiner isst
  • Die Sekretärin des Kunden kommt auch noch dazu
  • Mit der Sekretärin gibt es keine Vorstellungsrunde und keine Visitenkarten werden ausgetauscht (dabei war die echt hübsch :-))
  • Es isst noch immer Keiner
  • So langsam sind Gespräche erlaubt, die den Kunden nicht direkt involvieren
  • Endlich nimmt der Kunde etwas von seinem Teller
  • Ich bin am verhungern und kann endlich mal was essen
  • Der Lärmpegel steigt, alle werden etwas lockerer
  • Die Assistentin der Ranghöchsten ext 3 Weisswein Gläser hintereinander (O-Ton: „I don’t like to eat when I drink alcohol“)
  • Die Assistentin singt das erste Lied
  • Ich werde ihr grösster Fan! Sie ist so unscheinbar, singt und tanzt aber wie eine Weltmeisterin
  • Die Sekretärin des Shacho ist begeistert
  • Die Karaoke Party ist endlich voll im Gange und das Eis ist gebrochen
  • Ich beobachte, wie sich der Shacho mehrmals gefährlich nah an seine Sekretärin ranmacht (sie findet es normal)
  • Wir essen Muschelspagetti!
  • Der Kunde stellt auf Bier um
  • Die Assistentin trinkt noch mehr
  • Ich merke, dass die Karaoke-Anlage Fly Me to the Moon von Frank Sinatra nicht kennt…
  • Ich singe Copa Cabana und bin mässig erfolgreich
  • Unsere Ranghöchste sagt uns dezent, dass wir den Kunden mehr singen lassen sollen
  • Wir applaudieren beim Kunden extra laut
  • Der Kunde hat richtig Spass
  • Wir auch!
  • Der Abend ist am Höhepunkt und wir denken langsam dran wo es als nächstes hingehen soll
  • (Zensur)
  • Ich komme um 3 Uhr nach Hause
  • Am nächsten Arbeitstag nach der Party bedanken sich alle gegenseitig für die Anstrenung
  • Dem einen Arbeitskollegen fehlte nach der Party sein Schal und: sein Gürtel (!!!)

Party 1: Das haben wir natürlich nicht getrunken.

Party 1: Ja "L" und "R" sind so eine Sache hier.

Party 1: Tomaten Mozzarella!

Party 1: Karaoke Beginn

Party 1: Labamba

Party 1: Sehr unjapanisch! Um einen Rabatt herauszuschlagen, haben wir angegeben, dass wir den Geburtstag einer Kollegin feiern.

Party 1: Happy Birthday.

Party 2: ohne Worte

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