Fashion Food

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Die sommerliche Hitze in Tokyo macht natürlich auch Appetit auf leichtes Essen. In Tokyo gibts eine hervorragende Auswahl an herrlichen, unglaublich schön präsentierten und perfekt ausschauenden Früchten. Leider stockt einem bei näherem Hinsehen erst mal der Atem. Kann es sein, dass man hier für einen – ich gestehe perfekt ausschauenden – Apfel 300 Yen (ca. 3 CHF) zahlen muss? Und für eine Wasser-Melone scheinen 2000 Yen (ca. 20 CHF) auch keine Seltenheit zu sein? Dabei erstaunt auch, dass das bereits geschnittene und direkt zum Verzehr gedachte Obst billiger ist als nicht verarbeitete Früchte. Der Grund ist, dass dazu auch weniger perfekt ausschauendes Obst verwendet werden kann.

Um das zu verstehen, muss etwas über das Einkaufsverhalten der Tokyoter gesagt werden. Die Liebe zum Detail und der Hang zur Perfektion machen auch vor Lebensmitteln nicht halt. Nie und nimmer würden sie schrumpfliges Gemüse kaufen, auch wenn das mit Bio-Qualität angepriesen wird.

Zudem werden Früchte nicht nur mit viel Liebe präsentiert, sondern auch mit Hingabe genossen. Meistens erlaubt es die Grösse (Äpfel oder Pfirsiche sind hier riesig) auch nicht, sie ohne vorher schön zu preparieren zu essen. Nicht selten werden Früchte hier auch als Geschenk mitgebracht. Ein übrigens recht grosszügiges Mitbringsel!

Sun Fruits“, ein Früchte-Shop im angesagten „Tokyo Midtown“-Komplex

Früchte werden hier wie Schmuck präsentiert

Eine Kleinigkeit als Mitbringsel für die nächste Dinner-Party für 12’800 Yen (ca. 128.- CHF)

Dabei kennt man hier auch keine Skrupel, etwas in Mutter Natur einzugreifen. Beispielsweise sind eckige Melonen hier in jedem besseren Supermarkt anzutreffen.

Eckige Melonen lassen sich nun mal besser als Geschenk verpacken

Wer hat gesagt, dass Melonen rund sein müssen?

Esswaren müssen hier jedoch nicht nur perfekt ausschauen, sondern auch gut schmecken. Wer hier in Japan schon einmal Gemüse und Früchte probiert hat, staunt wie aromatisch und knackig alles ist. Für mich war der Fall eigentlich klar; es kann sich hier nur um chemisch gezüchtete, künstlich aromtisierte Früchte handeln. Doch ein japanischer Kollege hat mich aufgeklärt. Früchte und Gemüse werden in Japan mit erdenklich viel Hingabe und Liebe angebaut, gehegt und gepflegt und Japan geniesst in ganz Asien einen hervorragenden Ruf dafür. Meinen täglichen kleinen „Luxus“ eines japanischen Apfels kann ich mir also weiterhin ohne schlechtes Gewissen gönnen ohne einen Gedanken an die schrumpfligen kleinen Bio-Äpfel aus der Heimat zu verlieren.

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