Kakimoto Arms

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Hinter diesem etwas komischen Namen verbirgt sich etwas ganz Besonderes: Etwa alle sechs Wochen gehen die Tokyoter zum Friseur, egal ob der Schnitt noch gut sitzt oder nicht. Unvorteilhafte “Übergangsphasen” kennen die Tokyoter nicht. Vielleicht ist auch dies die Erklärung für die hohe Friseur-Salon Dichte in Tokyo. Die Vielfalt ist faszinierend. Einige Salons besitzen sogar automatische Haarwaschmaschinen.

Zusammen mit meiner Kollegin Yuko, deren Haare immer perfekt frisiert sind, besuche ich regelmässig Kakimoto Arms an der noblen Ginza. Gemäss Yuko, ein Salon für ‘grown-ups’, passend zur Atmosphäre in Ginza, wo sich alle grossen und kleinen Designer Namen einen Flagship-Store leisten.

Kakimoto Arms an der Ginza

Die Abläufe eines Besuches sind strukturiert vorgegeben und auch auf deren Internet Seite nachzulesen. Typisch für die Japaner, die gerne jegliche Art von Überraschung vermeiden möchten. Für mich nicht ganz nachvollziehbar, denn ist es nicht klar, dass man erst die gewünschte Frisur bespricht, bevor es ans Schneiden geht?

Reception und Fusspflege-Raum

Erster Schritt beinhaltet das Einchecken an der Reception (aha), die dem Empfang eines Luxushotels gleichzusetzen ist und einem sogleich ein Gefühl von Entspannheit vermittelt. Dort erhält jeder Kunde einen Schlüssel für seinen persönlichen Locker, in dem sich nebst flauschigem Bademantel und Pantoffeln auch ein kleines Willkommens-Briefchen vom Hairstylisten befinden. Es fühlt sich herrlich an, aus den Alltagskleidern zu steigen und sich in einen bequemen Bademnatel zu kuscheln.

Bademantel, Pantoffeln und ein persönliches Briefchen vom Stylisten, in dem er nochmals das gebuchte Programm bestätigt und mitteilt, dass er sich freut, dass er mir heute einen schönen Haarschnitt machen darf…

Weiter gehts zur Besprechungs-Area, wo wir vom Stylisten und seiner Crew auch schon empfangen werden. Die Kompetenzen und Verantwortlichkeiten sind klar geregelt und für jede Tätigkeit ist eine andere Person zuständig. So kümmern sich etwa vier Leute rührend um mich – und dies obwohl ich nur einen simplen Haarschnitt gebucht habe. Beim Haarewaschen wird mir ein warmes Tuch für den Nacken hingelegt und eine Decke über meinen Bademantel ausgebreitet, sollte ich zu frösteln anfangen. Shimada-san, der Stylist, kann so zur gleichen Zeit mehrere Kundinnen bedienen, da er für alle nicht zentralen Tätigkeiten seine Leute einsetzt. So wirbelt er mit voller Aufmerksamkeit zwischen den Kundinnen hin und her, schafft es aber am Schluss mit seinem Team jede Kundin individuell am Ausgang mit tiefen Verneigungen zu verabschieden.

Mein Hairstylist Shimada-san

Obwohl an der Ginza gelegen, bezalt man für diese zuvorkommende Behandlung Tokyoter Durchschnitt, was mit ca. 7000 Yen (ca. CHF 70.-) im Vergleich zur Schweiz relativ tief ist. Und Trinkgeld ist in Japan sowieso überall ein “No-Go”. 70 CHF! Nochmal, wir sind hier nicht in Thailand, sondern im hochentwickelten Japan in der teuersten Gegend der Stadt (keine Ahnung, wie diese Rechnung aufgeht)

Dass mein nächster Besuch in etwa sechs Wochen nicht vergessen geht, dafür wird mein Hairstylist sorgen, indem er mir in fünf Wochen ein persönlich handgeschriebenes kleines Brieflein nach Hause schickt, um mich daran zu erinnern. Endlich jemand, dem meine Haare nicht egal sind. Keine Chance für Bad Hair Days!

Persönliches Erinnerungsbriefchen von Shimada-san

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